Leitbild

Selbstverständnis und Grundprinzipien

Begleiten, ermächtigen, vorbeugen – die Bedeutung von Antidiskriminierungsar­beit in der demokratischen Vielfaltsgesellschaft

Der Antidiskriminierungsverein Mittelhessen e.V. wurde im Jahr 2019 in Gießen an der Lahn gegründet, mit dem Ziel, ein Netzwerk für Engagierte und Interes­sierte im Bereich der „Antidiskriminierung“ zu etablieren, um das Bewusstsein über Benachteiligungsformen und das Wissen über wirksame Gegenstrategien gemeinsam in die Breite zu tragen. Der Antidiskriminierungsverein Mittelhes­sen e.V. reagiert auf den Bedarf einer horizontal und mehrdimensional aus-gerichte­ten Antidiskriminierungsarbeit. Er macht es sich zur Aufgabe, in regio­naler und interkommunaler Zusammenarbeit ein niederschwelliges und wohn-ortnahes  Unterstützungsangebot für Menschen in der Re­gion Mittelhessen zu schaffen, die von Diskriminierung betroffen und bedroht sind.

Die Wertschätzung von Vielfalt, Teilhabe und Gleichbehandlung sind zentrale demokratische Werte und grundlegend für den Zusammenhalt einer pluralen Gesellschaft.

Unsere Vision ist eine diskriminierungsbewusste und -kritische Gesellschaft. Die rechtlichen Grundlagen für die Tätigkeiten des Vereins sind insbesondere:

  • Art. 3, Abs. 3 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland, nach dem niemand wegen seines Geschlechts, seiner Abstammung, aufgrund rassisti­scher Zuschreibungen[1], seiner Sprache, seiner Heimat und Her­kunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen be­nachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinde­rung benachteiligt werden darf.
  • Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) vom 14. August 2006 (zu­letzt geändert 5.2.2009), dessen §1 lautet: Ziel des Gesetzes ist, Benachtei­ligungen aufgrund rassistischer Zuschreibungen[2] oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Welt-anschau­ung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identi­tät und Orientierung zu verhindern oder zu beseitigen.

Begleitung, Sensibilisierung, Ermächtigung (Empowerment), Vernetzung

Antidiskriminierungsarbeit bedeutet sowohl die Unterstützung der einzelnen Betroffenen, als auch eine gute, strategische und konstante Lobbyarbeit, die in alle gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Bereiche hineinwirkt.
 

Die Beratung, Begleitung und Selbstermächtigung von Menschen, die von Diskrimi­nierung betroffen sind, stellen in unseren Augen einen unverzichtbaren Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt dar.

Unsere Aufgaben sehen wir deshalb darin

  • Menschen bei erlebter Diskriminierung eine qualifizierte Be­gleitung[3] anzubieten und sie bei der Verarbeitung ihrer Erfahrungen und der Durchsetzung ihrer Rechte zu unterstützen, damit sie nicht mit ih­ren enttäuschenden und teilweise traumatisierenden Erfahrungen al­lein bleiben,
  • Institutionen, Gremien, Unternehmen und andere gesellschaftliche Ak­teure zu sensibilisieren und in der Umsetzung vielfaltsorientierter und diskri­minierungssensibler Maßnahmen zu begleiten; mit dem Ziel auch struk­turelle Diskriminierung aufzudecken und zu bekämpfen[4]
  • auch Menschen zu unterstützen und zu ermächtigen, die Diskriminierung aufgrund von Kriterien erfahren, die nicht im AGG berücksichtigt sind.[5]
  • uns mit lokalen Beratungsstellen sowie institutionellen und zivilgesellschaftli­chen Akteuren zu vernetzen, um die Antidiskriminierungsbe­glei­tung, die Prävention und die Selbstermächti­gung (Empowerment) auf möglichst breite Füße zu stellen.

[1] Die Verwendung des Begriffes „Rasse“ in Bezug auf Menschen, wie dies im Grundgesetz bei Verabschiedung 1949 noch formuliert wurde, entspricht nicht dem Stand der Wissenschaft und wird vom ADM e.V. abgelehnt. Hier wurde deshalb ein eigener Formulierungsvorschlag verwendet, mit dem der Sachverhalt der Zuschreibung explizit gemacht wird.

[2] Siehe Fußnote 1

[3] Vgl. Standards für eine qualifizierte Antidiskriminierungsberatung: www.antidiskriminierung.org/materialien/qualitaetsstandards-ad-beratung

[4] Staatliche Institutionen wie Schulen, Polizei u.a. können nicht auf der Basis des AGG zur Verantwortung gezogen werden. Erfahrungen von Minderheitenvertretungen und der Antidiskriminierungsstelle des Bundes zeigen aber, dass besonders im Bereich Bildung (Schule, Kita, Uni) der Handlungsbedarf groß ist.

[5] Laut einer bundesweiten Umfrage der Antidiskriminierungsstelle des Bundes aus dem Jahr 2015 berichteten 10,1% der Befragten von Diskriminierungserfahrungen aufgrund des Merkmals „sozioökonomische Lage“ und 8,2% aufgrund „anderer [nicht im AGG aufgeführten] Merkmale“